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Immer schön sauber: So funktioniert die Aufbereitung von Schwimmbadwasser

25.08.2017

Martin Woelk ist Verkaufsleiter der Firma Tintometer und einer der anerkanntesten Experten auf dem Gebiet der Wasseranalytik. In diesem März wurde er bei den Golden-Wave-Awards von SCHWIMMBAD+SAUNA mit dem "Strebel-Preis" für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Foto: Tom Philippi

Wer sich lange an seinem Swimmingpool erfreuen möchte, benötigt die richtige Wasseraufbereitung. Dabei handelt es sich um einen dauerhaften, im Kreislauf befindlichen Prozess aus Filtration und Desinfektion. Im Interview mit SCHWIMMBAD+SAUNA erklärt der Poolwasserexperte Martin Woelk von der Firma Tintometer, wie eine optimale Wasseraufbereitung funktioniert.

Frage: Was sind die wesentlichen Säulen für eine gelungene Wasseraufbereitung?
Woelk: Wichtig ist zum einen eine gleichmäßige Durchströmung des Beckens (Beckenhydraulik). Das heißt, Zu- und Abläufe eines Beckens sollten so konstruiert sein, dass das aufbereitete Wasser gleichmäßig alle Bereiche des Beckens erreicht und keine "Totzonen" entstehen, in denen sich zum Beispiel vermehrt Algen bilden können. Ebenfalls wichtig ist der Zusatz von Frischwasser, vorzugsweise in Trinkwasserqualität. Rein rechnerisch sollten dies täglich etwa 30 Liter pro Badegast sein. Weitere wichtige Faktoren sind die Flockung und die Filtration, welche der mechanischen Reinigung des Schwimmbeckenwassers dient. Außerdem Desinfektion, Oxidation und pH-Wertregulierung.

Das Schaubild eines Poolwasserkreislaufs. Grafik: Tintometer, Lovibond Water Testing

Frage: Was muss man sich unter dem ­Begriff Flockung vorstellen?
Woelk: Im Schwimmbeckenwasser gibt es feinste, ungelöste Verschmutzungsstoffe, sogenannte Kolloide, die auch durch hochwirksame Filter nur unvollständig zurückgehalten werden können – wie zum Beispiel Körperfette, Kosmetika etc. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, solche Feinststoffe dennoch im Filterbett zurückzuhalten: Man setzt dem Wasser vor der Filtration sogenannte Flockungsmittel zu. Dadurch werden viele dieser feinstverteilten Störstoffe entstabilisiert (elektrisch entladen). Es bilden sich Flocken, in welche diese Feinstoffe eingebunden werden und so ­herausgefiltert werden können. Das Flockungsmittel sollte dem abgebadeten Wasser ständig zudosiert werden. Denn nur wenn sich Flockungsmittel und Wasser mischen, finden die entscheidenden Entstabilisierungsvorgänge statt.

Frage: Was gibt es zum Thema Desinfektion und Oxidation zu sagen?
Woelk: Desinfektion bezeichnet die Keimtötungsgeschwindigkeit eines Aufbereitungsmittels, zum Beispiel von Chlor. Bei einer ausreichenden Menge im Wasser ist Chlor in der Lage, nahezu 100 Prozent der Keime (im Wesentlichen Bakterien, Viren, Pilze) abzutöten beziehungsweise unschädlich zu machen, so dass eine gesundheitliche Gefährdung nahezu auszuschließen ist. Bei diesem Prozess wird ein Teil des freien, aktiven Chlors umgewandelt zu Chloraminen (gebundenes Chlor). Dieser Anteil des Chlors hat kaum noch Desinfektionswirkung, verursacht Haut- und ­Augenreizungen und ist Ursache für den unangenehmen Chlorgeruch. Daher möchte man die Chloramine aus dem Wasser entfernen. Und hier kommt die Oxidation ins Spiel, die ich als „nasschemische Verbrennung“ bezeichne. Das heißt, gebundenes Chlor wird umgewandelt in andere Stoffe, die im Pool in bestimmten Konzentrationen nicht stören – zum Beispiel Nitrate, Chloride und Stickstoff. Stickstoff gast aus dem Wasser aus und befindet sich sowieso zu etwa 80 Prozent in unserer Atemluft. Nitrate und Chloride werden durch den regelmäßigen Frischwasserzusatz verdünnt.

Das Verhältnis von Chlordosis und pH-Wert ist entscheidend bei der Desinfektion von Poolwasser. Grafik: Dintotec

Frage: Welchen Stellenwert hat Chlor heute bei der Wasserpflege von ­privaten Pools?
Woelk: Es ist in privaten Schwimmbecken das bekannteste und das mit Abstand am häufigsten verwendete Desinfektions- und Oxidationsmittel. In öffentlichen Bädern ist es das einzige Mittel, das zum Einsatz kommt. Die beliebtesten ­Darreichungsformen für private Pools sind Tabletten, Granulat und Flüssigchlor – jeweils abhängig von der Auslegung einer Aufbereitungsanlage oder manueller Dosierung. In den letzten Jahren hat der Anteil an Salzelektrolyseanlagen zugenommen, bei denen unter anderem Chlor vor Ort ("in situ") hergestellt wird. In ­öffentlichen Bädern kommt auch Chlorgas zum Einsatz.

Frage: Stimmt es, dass Brom nach Chlor das zweithäufigste Mittel zur chemischen Wasserpflege ist?
Woelk: Nach meinen Kennzahlen ist Brom tatsächlich nach Chlor die zweithäufigste Aufbereitungsmethode im privaten Bereich. Der Vorteil gegenüber Chlor ist, dass zwar – vom Chemismus her – neben freiem Brom auch gebundenes Brom entsteht. Anders als bei gebundenem Chlor hat das gebundene Brom nahezu die gleiche Desinfektionswirkung wie freies Brom und ist geruchlos! Darüberhinaus ist Brom über einen weiteren pH-Bereich wirksam gegenüber Chlor, was es für Spas und Whirlpools interessant macht, weil dort der pH-Wert schwieriger einzuhalten ist als in Schwimmbädern. Die im Handel erhältlichen sogenannten Bromsticks enthalten allerdings auch einen Chloranteil, um die Löslichkeit der Sticks zu verbessern.

Interview: Ruth Mayr

Weitere Informationen zu den verschiedenen Methoden der Poolwasseraufbereitung
lesen Sie auch in der aktuellen Ausgabe 9/10-2017 von SCHWIMMBAD + SAUNA
(hier bestellen!)

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