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Susi

Wunderschöne Saunawelt

14.01.2015

Schwitzen ist gut für Körper, Geist und Seele, denn es wirkt reinigend und macht gesund. Diese Erkenntnis ist fast so alt wie die Menschheit, weshalb das Saunieren ein globales Kulturgut darstellt. Auf den nächsten Seiten führen wir Sie ein in die originelle, variantenreiche und wunderschöne Saunawelt!

Das Leuze Mineralbad ist eine echte Institution in Stuttgart. Seit 1842 erholen sich die Einwohner der Schwabenmetropole unter anderem dort von ihren Strapazen. „Das Leuze“ ist berühmt für seine Becken, die von drei Mineralwasserquellen gespeist werden, zwei davon sind staatlich anerkannte Heilquellen.

Und auch jetzt, da direkt nebenan und unten drunter ein monströser Autotunnel gebaut wird und es den ganzen Tag über bohrt, hämmert und scheppert, lassen sich die Stuttgarter ihren liebsten Wellnessort nicht vermiesen. Insbesondere in die große Saunalandschaft zieht es viele der jährlich rund 800.000 Besucher.

"...weil es meiner Haut sehr gut tut"

Zielstrebig eilen sie durch die große Drehtüre hinein, zum Beispiel Nadja Graamit. „Ich gehe einfach gerne in die Sauna, weil es meiner Haut sehr gut tut. Außerdem genieße ich die Ruhe und bin völlig entspannt“, lacht die 24-jährige, von Kopf bis Fuß dick eingemümmelt, voller Vorfreude auf ihren heutigen Saunagang.

Kurz darauf stürmt Stefanie Schneider ins „Leuze“. Sie möchte ihren Berufsstress möglichst schnell ausschwitzen: „Saunieren ist einfach nur super“, strahlt die 52-jährige Pädagogin übers ganze Gesicht. „Es ist die reinste Erholung von meiner Arbeit.“ Und auch Alushi Perparim dient der Saunagang aus ähnlichem Grund: „Ich fühle mich danach viel leichter, weil ich dann etwas weniger wiege“, schmunzelt der 45-jährige, der als Linienbusfahrer auch keinen leichten Job hat.

Egal, wer einem begegnet und egal, ob sie gerade kommen oder wieder gehen: Wer hier über das Thema Sauna sinniert, ist gut gelaunt, höchst entspannt und in heller Vorfreude auf die Wirkung des Schwitzens. 
„Wie neugeboren fühlen wir uns, wenn wir aus der Sauna kommen“, sind Erika und Gunter Ott entzückt. Seit mehr als zehn Jahren geht das Rentnerehepaar mindestens ein Mal pro Woche in die Saunalandschaft des „Leuze“. „Es tut einfach gut und wir wollen das noch sehr lange tun.“

Die Menschen schwitzen schon seit 8.000 Jahren

Dass die Sauna, subjektiv gefühlt, ziemlich gut tut, steht in keinerlei ­Widerspruch zu objektiven Erkenntnissen: Wenn die Menschen das Schwitzen schon seit rund 8.000 Jahren als positiv für sich erkannt haben, dann muss das auch für die Medizin eine längst erwiesene Sache sein: „Saunieren erzeugt wohltuende Wechselreize im menschlichen Körper“, erklärt der Medizinische Berater des Deutschen Sauna-Bundes, Dr. Rainer Brenke.

Der Facharzt und Naturheilkundler beschäftigt sich seit langem mit dieser Materie: „Das Saunieren bewirkt ­unmittelbar eine Entspannung allgemein und der Muskulatur. Stress wird abgebaut und viele Schmerzen, etwa vom Bewegungsapparat, werden gelindert. Der Wärmehaushalt des Körpers und damit der Kreislauf werden trainiert, Gelenke werden dehnbarer und das Abwehrsystem angeregt. Langfristig härtet man ab, erhält also eine erhöhte gesundheitliche Stabilität.“ Besonders auffällig sei dieser Effekt beim Immunsystem: „Man bekommt weniger grippale Infekte, und wenn, dann nicht so schwere.“

Überdies könnten sich Blutdruck- und Durchblutungsstörungen, die ein oder andere Asthmaform, Rheuma, Arthrosen oder Hautkrankheiten wie etwa Schuppenflechte günstig beeinflussen lassen. Und auch koronare Herzerkrankungen, Beschwerden von Wechseljahren oder chronische Entzündungen ließen sich durch regelmäßige Saunagänge deutlich lindern. Voraussetzung sei allerdings immer eine ausreichende Leistungs­fähigkeit des Herzens, was man beim Hausarzt zuvor testen lassen kann.

Saunieren wirkt auch aufs seelische Befinden

Schließlich wirkt das Saunieren auch auf das seelische Befinden, unabhängig davon, dass ein gesunder Körper sowieso das psychische Gleichgewicht fördert. „Die gezielte Entspannung und die verbesserte Verarbeitung von Stressreizen hemmen psychische Missstimmungen und wirken sich dadurch positiv auf den Gemütszustand und das vegetative Nervensystem aus“, bewertete etwa die Gütegemeinschaft Saunabau, Infrarot und Dampfbad jüngst eine Studie zur geplanten Anti-Stress-Verordnung.

Mehrere Komponenten des Saunageschehens sind es, die im Zusammenspiel für all das verantwortlich zeichnen. Neben der Hitze ist es das Holz, das der Wärmeabstrahlung und Wärmeleitung dient und zudem ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Aufgüsse mit ätherischen Ölen und wohltuenden Düften zählen ebenso dazu wie neuerdings das Spiel mit stimmungsvoller Beleuchtung oder entspannenden Klängen.

Und noch etwas: Das Saunieren um der persönlichen Wellness Willen sollte keine Seltenheit sein. „Es braucht“, mahnt Rainer Brenke, „ein ­Vierteljahr regelmäßigen Saunabesuchs, und zwar ein oder zwei Mal in der Woche, bis sich die gewünschten Effekte bemerkbar machen.“   

Text: Joachim Scheible

 

Interview mit den Aufguss-Vizeweltmeisterinnen 2014, Janina Lindner und Sabine Quäschning


„Ich liebe es, einen Saunaschauer zu erzeugen“ 

Janina Lindner (rechts im Bild) vom Satama Sauna Resort & Spa über die Faszination des Aufgusses: Mit ihrer Kollegin Sabine Quäschning (links) holte Sie dieses Jahr die Vizeweltmeisterschaft bei der Aufguss-WM. Foto: Satama Sauna Resort & Spa
Frau Lindner, was muss man tun, um Aufguss-Vizeweltmeisterin zu werden?

Man muss die Gäste begeistern und überraschen können und ein bestimmtes Gefühl transportieren. Nicht zuletzt steht aber der Aufguss mit seiner Wirkung im Vordergrund: Ich liebe es, einen Hitzereiz zu erzeugen, den „Saunaschauer“ oder auch den ­„Gänsehauteffekt“, wie ich immer gern sage. Das gehört mit einem wohltuenden ätherischen Öl verbunden. Ganz wichtig ist außerdem eine tolle Aufgusspartnerin: Mit Sabine habe ich schon an vielen Meisterschaften teilgenommen. Am Ende muss aber immer das Gesamtpaket stimmen: eine gute Mischung aus Unterhaltung und Entspannung, im Satama sagen wir „Well-Tainment“ dazu. Und, mit einem Augenzwinkern gesagt, ein bisschen Verrücktheit gehört natürlich auch dazu.

Was ist am Aufguss so faszinierend?
Am Aufguss mögen wir, dass man unendlich kreativ sein kann und damit neben dem künstlerischen Aspekt – den so ein Aufguss mittlerweile ja unbestritten hat – seinem Publikum etwas Gutes tun kann. Wir Mädels mögen es, in tolle Kleider und Roben zu schlüpfen. Wann kommt „frau“ denn sonst dazu, wenn sie nicht gerade die eigene Märchenhochzeit plant? Meine Kollegen und ich können aber auch klassisch, das heißt, zusammen mit den Gästen die Stille in der Sauna zu genießen und einen schönen ­heißen Aufguss ohne viel „Schi Schi“ zu zelebrieren.

Sie inszenieren eine regelrechte Show. Wie kommt man auf solche Ideen?
Die begegnen einem im Alltag überall, beim Autofahren, im Kino, beim Shopping. Meist ist die Musik das Erste, was mich inspiriert, dann folgen Kostüme und schließlich die Geschichte drumherum. Aus meiner Sicht ist der Spannungsbogen entscheidend. Es sollte in jeder Geschichte einen Ruhepunkt geben, der sich dann mit einer Steigerung zum Höhepunkt abwechselt. Dies kann sich dann sowohl szenisch mittels Licht und Kulisse, aber auch in den Kostümen und der Choreographie spiegeln.

Warum wird ein Aufguss überhaupt gemacht?
Um den in der Sauna vorhandenen Hitzereiz zu steigern! In Finnland beispielsweise begrüßt ein Gast, der die Sauna betritt, alle anderen mit einem Schwung Wasser auf den Ofen. In Deutschland wäre das undenkbar – hier geht es in der Regel weniger kommunikativ zu.

Welche Effekte verursacht ein Aufguss im Körper und in den Sinnen der Menschen?
Zuallererst ist da natürlich der starke Hitzereiz, der den Körper zum Schwitzen bringt. Die Gefäße weiten sich und die „Klimaanlage“ des Körpers beginnt zu arbeiten. Das allein löst bei den meisten Menschen ein wohliges Gefühl aus – Wärme, Geborgenheit, aber auch so etwas wie Entspannen, Loslassen, Reinigen, Entschlacken. Beim Aufguss, verbunden mit einer guten Wedeltechnik, wird die Kondensationsschicht des Körpers quasi „weggerissen“. Das macht diesen unverwechselbaren und von mir so geliebten „Gänsehauteffekt“ aus. Dieser lässt sich durch Düfte, Musik und visuelles Erleben unterstützen.

Welches ist Ihr Lieblingsduft und warum?
Pfefferminze, weil sie sehr viele Empfindungen auslösen kann. Der Duft ist lieblich und geheimnisvoll. Die Pflanze hat die Fähigkeit, einen kühlenden Reiz zu erzeugen, und das ist in Verbindung mit Sauna immer wieder etwas Besonderes und ganz nach ­meinem Geschmack. Mit der Pfefferminze weiß ich als Aufgussmeisterin außerdem, was ich habe – denn Qualität bei den Aufgussölen steht bei uns an oberster Stelle!

Erklären Sie uns das Wedeln: Gibt es dafür eine bestimmte Technik?
Effektiv ist fast alles, was Luft bewegt. Ich mag am liebsten die klassische Art zu wedeln mit einem großen Handtuch. Je größer die Fläche, die man aufspannt und mit der man die Luft einfängt und zu den Gästen bringt, desto besser ist die Wirkung. Interessant wird es immer dann, wenn man mit den kalten Luftmassen am Boden und den heißen unter der Decke spielt. Das ist immer wieder eine Herausforderung!

Janina Lindner und Sabine Quäschning arbeiten im Satama Sauna Resort & Spa nahe Berlin.

Interview: Joachim Scheible

Der Saunaknigge

Die 10 goldenen Regeln des Saunierens

  1. Für einen Saunabesuch sollten selbst Eilige mindestens drei Stunden ein­kalkulieren. Bedenken Sie, was dazu gehört: vorbereiten, umkleiden, reinigen, zwei Saunagänge, jeweils abkühlen und ausruhen, Körperpflege und ankleiden.
  2.  Reinigen Sie sich vor dem Saunagang unter einer Dusche und trocknen Sie sich gründlich ab. Essen Sie tags zuvor keine Speisen mit Knoblauch. Sein Duft wird über die Haut ausgedünstet, das wirkt unangenehm und missfällt. 
  3. Badeschlappen müssen draußen bleiben! In der Saunakabine stehen sie meistens im Weg oder können ebenso unangenehme Gerüche verströmen.
  4. Saunatücher sollten nicht viel größer sein als die eigene Sitzfläche, aber immer noch groß genug, damit der Schweiß darauf tropfen kann. 
  5. Höflichkeit ist das A & O in dieser intimen Atmosphäre. Begrüßen Sie die anderen Gäste beim Eintritt und verabschieden Sie sich vor dem Gehen. Ihren Sitznachbarn sollten Sie immer fragen, ob der Platz nebenan noch frei ist. 
  6. Rücken Sie den anderen Saunagästen nicht allzu sehr auf die Pelle! Rücksichtnahme ist gerade bei engen Platzverhältnissen dringend geboten.
  7. Gewöhnen Sie sich zuerst an die Hitze und legen Sie mit circa zehn Minuten einen eher kurzen ersten Saunagang ein. Der zweite kann länger dauern.
  8. Schwitzen ist anstrengend und viele gehen auch der Ruhe wegen in die ­Sauna. Reden Sie deshalb möglichst wenig, und wenn, dann möglichst leise.
  9. Am entspanntesten ist die Stimmung in der Sauna, wenn alle Gäste in einer Blickrichtung sitzen. So werden aufdringliche Blicke und peinliches Anstarren vermieden. Sind direkte Blickkontakte nicht zu vermeiden, sollte man diskret sein und den eigenen Körper mit dem Handtuch etwas verhüllen.
  10. Nach dem Saunagang muss der aufgeheizte Körper dringend abgekühlt werden, entweder im Tauchbecken oder in der Kältekammer. Vor dem nächsten Saunagang sollten Sie sich 15 Minuten lang ausruhen und frische Luft tanken.
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