Spieker

Der Schwimmteich ist ein kleines, wundersames Ökosystem. Hier sind sich Menschen, Tiere und Pflanzen auf relativ engem Raum sehr nahe. Vielen Menschen ist ein Schwimmteich jedoch suspekt, fürchten stechende Insekten oder empfinden ein Aber gegenüber Amphibien. Doch diese Befürchtungen sind völlig unbegründet, wie der Gewässer- und Schwimmteichexperte Dr. Jürgen Spieker im Interview mit naturpools.de verrät.

naturpools.de: Herr Dr. Spieker, zunächst interessiert uns, warum Insekten wie Mücken oder Libellen nützlich sind, also zum ökologischen Gleichgewicht des Teichs und zur Klarheit des Badegewässers beitragen.
Dr. Spieker: Alle Insektenlarven werden als Eier in das Wasser gelegt. Sie verlassen das Wasser als so genannte Imagines, also erwachsene geschlechtsreife Tiere. Während des Wachstums fressen sie Pflanzen und/oder andere Tiere und erhöhen ihre Biomasse. In der Biomasse sind die Nährstoffe festgelegt, die mit dem Schlüpfen aus dem Schwimmteich entfernt werden. Mache Insektenlarven bauen Gespinste, in denen sich Schwebstoffe festsetzen und damit als Trübstoffe aus dem Wasser entfernt werden.
naturpools.de: Welche Ängste kann man den Menschen bezüglich der Stechmücken nehmen? Manche Menschen begründen Ihre Abneigung gegenüber Schwimmteichen ja auch damit, sich nicht von Moskitos oder anderen Stechmücken quälen zu lassen. Manche haben ja auch Angst vor Libellen…
Dr. Spieker: Stechmücken gibt es so gut wie gut nicht gar nicht im Schwimmteich oder Naturpool, sobald eine Oberflächenabsaugung vorhanden ist. Steckmücken haben schwimmende „Eischiffchen“, die ruhiges Wasser wie mit Wasser gefüllte Blumentöpfe und Gießkannen oder Regenwassertonnen zur Entwicklung benötigen. Durch die Skimmer wird das Oberflächenwasser jedoch abgesaugt und die Stechmücken können sich nicht entwickeln. Sobald Flachwasserzonen mit Pflanzen vorhanden sind, legen Libellen Ihre Eier in Stängel oder an Pflanzenteile. Libellenlarven von Großlibellen können über fünf Zentimeter lang werden. Wie alle Wildtiere sollte man nicht mit Ihnen spielen, sondern respektvoll behandeln.
naturpools.de: Kommen wir zu den Amphibien, beziehungsweise den Lurchen: Sie ernähren sich von Schnecken, Würmern und Insekten. Doch dieses Amphibienfutter gehört doch zu den so genannten Zoobenthos, also jener, am Teichgrund lebenden Tiergruppe, die mit ihrem Stoffwechsel auch zur Klarheit des Badegewässers beiträgt. Vernichten die Amphibien damit nicht wichtige jene Kleinlebewesen, die mit für die Klarheit der Gewässers sorgen und sind damit also eher kontraproduktiv?
Dr. Spieker: Die Wasserreinigung durch Zoobenthos, also Schnecken, Würmer und Insekten, darf nicht überbewertet werden. Die maßgebliche Reinigungsarbeit findet im Biofilter satt, wo der Biofilm das aktive Element ist. Weitere Reinigung findet durch das Phyto- und Zooplanton im Wasser statt, indem Nährstoffe aus der gelösten Form in Partikel umgewandelt werden, die dann absinken und abgesaugt werden können.
naturpools.de: Und wenn es zu viele Amphibien gibt, also eine Überbevölkerung an Lurchen?
Dr. Spieker: Der Fortpflanzungserfolg der Amphibien hängt von der Menge der Nahrung ab. Wo viel Nahrung ist, können auch viele Amphibien sein. In der Regel stellt sich jedoch ein (Fließ-)Gleichgewicht ein. Grundsätzlich gilt: Wenn viele Räuber vorhanden sind, ist auch viel Nahrung da. Zu viel Nahrung ist wiederum ein Hinweis auf zu viele Nährstoffe im Teichwasser. Das heißt: Wenn es im Teich oder Pool vor „Räubern“ (Amphibien, Libellenlarven, Egel etc.) nur so wimmelt, hat das System ein Nährstoffproblem. Ein Zuviel an Leben ist immer ein Indikator für zu viel Einträge.
naturpools.de: Sollten Amphibienpopulationen an Schwimmteichen also kontrolliert werden, um damit jene Tierpopulationen zu schützen, die für die Klarheit des Teichs zuständig sind? Und wie könnte so eine Kontrolle aussehen?
Dr. Spieker: Eine Kontrolle ist schon aus gesetzlichen Gründen schwierig, da alle Amphibien besonders geschützte Arten sind und nicht getötet oder beeinträchtigt werden dürfen. Auch hier gilt: Wenn zu viele Amphibien da sind ist dies ein Hinweis auf Probleme mit Nährstoffen – wobei das „Zuviel“ natürlich eine subjektive Wahrnehmung ist. Die Kontrolle muss vielmehr bei der Verringerung des Nährstoffgehalts beziehungsweise der Nährstoffeinträge ansetzen.
naturpools.de: Auch Amphibien haben einen Stoffwechsel. Inwiefern belasten ihre Exkremente die Wasserqualität?
Dr. Spieker: Da sich die Amphibien meist aus dem Teich oder Pool ernähren, stellen die Exkremente keine zusätzliche Belastung des Wassers hinsichtlich der Nährstoffe dar. Amphibien sind Kaltblüter: Soweit mir bekannt können sie also keine gefährlichen Krankheiten auf Menschen übertragen. Im Übrigen werden auch bakterielle Einträge von Menschen, Wirbeltieren und Vöglen von der Gesamtbiozönose des Teichs oder Pools schnell abgebaut.
naturpools.de: Herr Dr. Spieker, vielen Dank für dieses Gespräch

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