Schwimmteich Schwimmteiche Naturpools Naturpool Erkenntnistage Geisenheim DGfnB Schwimmteichbau
Der Bau von Schwimmteichen und Naturpools entwickelt sich immer weiter. Foto: DGfnB

Was ist steinhart, flexibel, glitschig aber sehr effektiv in seiner Wirkung? Mit dieser Frage lassen sich die Themen der Geisenheimer Erkenntnistage kurz zusammenfassen. Diese jährlich stattfindende Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer e.V. (DGfnB) informiert über alles rund um das Thema Schwimmteiche und Naturpools. Fachleute aus den unterschiedlichsten Branchen referieren über aktuelle Erkenntnisse und stellen den Bezug zu derzeit gültigen Regelwerken her.

Die Auflösung der eingangs gestellten Frage? Das lässt sich am besten in informativen Portionen erklären. Hans W. Krauss von der TU Braunschweig ist ein ausgewiesener Fachmann, wenn es um Beton geht. Er beschäftigt sich überwiegend mit technischen Bauwerken aus Beton und kennt dessen Eigenschaften im Schlaf. Für Betonbecken ist ein statischer Nachweis erforderlich – das leuchtet vielen Praktikern ein. Auch dass Beton in zunehmendem Maße im Garten- und Landschaftsbau als gestalterisches Element verwendet wird und damit die Anforderung an Sichtbetonqualität besteht ist verständlich.

Dass Beton allerdings seine Ruhe zum Aushärten braucht und Kalk in Mörteln für Schwimmteiche nichts verloren hat – das war bisher vielen Besuchern der Geisenheimer Erkenntnistage neu. Eindrucksvoll mit Zeichnungen, Berechnungen und vielen Fotos demonstrierte Hans Werner Krauss, wie Beton bei Störungen während der Aushärtungsphase seine Festigkeit verliert. Mit fatalen Folgen für Mauern und Beläge. Obwohl Trasszement durch den geringen Kalkanteil (Zementgehalt über 40%) offensichtlich prädestiniert für den Einsatz in Schwimmteichen scheint, ist Vorsicht geboten. Denn oft wird die zwingend erforderliche Aushärtezeit auf dem Altar der schnellen Fertigstellung geopfert. Und macht damit die Vorteile des kalkarmen Trasszement zunichte. Wenn die Zeit drängt, sind Spezialprodukte ohne Zement die bessere Wahl.

Neue Erkenntnisse über Filtersubstrate

Dr. Martin Upmeier ist ein Geologe und ein Spezialist für Zeolithe, Filter- und Wasserpflanzensubstrate. Als Mitglied im FLL-Regelwerksausschuss hat er aktiv an der aktuellen Ausgabe der FLL-Richtlinien für öffentliche Schwimmteiche mitgearbeitet. Und trägt damit auch ein Stück weit Verantwortung für den neuen Titel: Richtlinie für Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb von Freibädern mit biologischer Wasseraufbereitung 2011. Nach der umfangreichen Überarbeitung kommen in ihr die aktuellen Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung bei der Berechnung für Durchflussgeschwindigkeiten bei Filtern zum Ansatz. Besonders spannend ist die Tatsache, so Dr. Upmeier, dass die Beschickung von Filtern nun je nach Typ zwischen 3 – 10 cbm/qm x d schwanken kann. Und noch spannender ist für ihn die Frage, welche hydraulische Belastung ein Filter generell haben darf. Denn wenn Luft im Filter ist, steigt die Strömungsgeschwindigkeit schon mal über die oben genannten 10 cbm/qm x d.

Funktioniert der Filter dann immer noch? Natürlich geht es bei Vorträgen über Filter generell um das Thema Phosphor-Elimination aus dem Wasser. Hydrobotanische Anlagen reduzieren den P-Gehalt im Wasser um ca. 0,3 – 0,4 mg/l, Mehrschichtfilter dagegen nur um 0,15 – 0,2 mg/l. Dafür sind letztere hydraulisch stärker belastbar, bergen jedoch die Gefahr von Setzungen und falsch gewählten Kornabstufungen. Da sind für den Galabauer die Einschichtfilter deutlich einfacher zu konstruieren. Neben den Korngrößen sind die verwendeten Materialien für den effektiven Betrieb von Filtern entscheidend. Daher startet unter dem Dach der DGfnB, der FLL 2012 und der Federführung von Dr. Upmeier ein Forschungsprojekt, bei dem die Gehalte von Phosphor in Substraten für Schwimmteiche unter besonderer Berücksichtigung der biologischen Verfügbarkeit untersucht werden sollen. Mit den ersten Ergebnissen wird Mitte 2012 gerechnet. Hier enden die steinharten Themen aus der Einleitung.

Pflanzen und Biofilm in Schwimmteichen

Andreas Thon arbeitete lange als Projektleiter in einem Forschungsvorhaben von Prof. Kircher an der Hochschule Anhalt. Seit einigen Jahren selbstständig, hat er sich der Verwendung von Pflanzen in Schwimmteichen verschrieben. Für ihn ist die Verwendung von Pflanzen anhand von Leitbildern aus der Natur ein wichtiges Kriterium. Wie macht die Natur das und wie setzen wir diese Erkenntnisse in den Schwimmteichen und Naturpools um. Die kritischen Komponenten sind dabei die Nährstoffe, die aus Füllwasser, Einträgen von außen, Filtern und Biomasse im Schwimmteich auftreten. Und bei fehlender Ernte zu einer Rücklösung führen. Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt sind noch unzugänglich, da es sich bei den Daten um eine Promotion handelt. Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, wird es eine umfangreiche Veröffentlichung dazu geben. Das war der flexible Teil des Einleitungssatzes. Nun zum letzten, glitschigen aber effektiven Teil der Einleitung.

Dr. Jürgen Scheen ist ein Fan von ubiquitären Ansammlungen von organisierten Mikroorganismen: Er ist Spezialist für Biofilme. Die beeindruckende Leistungen vollbringen und überall auf der Erde zu finden sind. Sie leben im Wasser bei – 4°C in der Tiefsee bis zu 110°C im Vulkankrater und sind deutlich produktiver. Im Vergleich zu einem 500 kg schweren Rind, dass ca. 0,5 kg Protein pro Tag produziert schaffen 500 kg Hefe rund 50.000 kg Protein. Und die Grundlage der weltweiten Sauerstoffversorgung liegt im Aufgabenbereich von Algen und Mikroorganismen, den erfolgreichsten Lebensformen auf der Erde. Trotz ihrer Leistungen haben Biofilme im Schwimmteichbau keinen guten Leumund, denn sie sorgen für rutschige Beläge auf Abdichtungen und Einbauten im Becken.

Fortsetzung im Dezember 2012

Dabei sind sie durchaus nützlich. Denn sie bauen Nährstoffe und Keime ab und vereinen eine um fünf Zehnerpotenzen höhere Zahl an Mikroorganismen als im Freiwasser. Gezielt eingesetzt, zum Beispiel in Biofilmreaktoren bauen sie Keime und Nährstoffe auch bei hohen Filtergeschwindigkeiten deutlich besser als viele rein technische Filter ab. Und sie werden dieser Aufgabe nie müde, denn der Biofilm erneuert sich ständig selbst. Die Voraussetzungen dafür sind ein gute Nährstoffversorgung und der Schutz vor zu großen Schmutzpartikeln, die den Biofilm beschädigen könnten. Der übrigens auch chemischen Mitteln erfolgreich trotzen kann.

Die Geisenheimer Erkenntnistage werden mit neuen spannenden Themen auch im Jahr 2012 fortgesetzt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich über die E-Mail-Adresse info@dgfnb.de für das neue Programm registrieren lassen.

Mehr Informationen: www.dgfnb.de