Mit einem Wellnesshotel verbinden viele Menschen positive Erlebnisse und die Aussicht, Leib und Seele Gutes zu tun. Deshalb ist der Urlaub in einem Wellnesshotel ein durchaus beliebter Ansatz, die Freizeit sinnvoll und entspannt zu verbringen.

Was bedeutet Wellness?

Das englische Wort Wellness heißt „Wohlbefinden“ oder „Wohlfühlen“. Erste Erwähnung fand der Begriff „wealnesse“ im 17. Jahrhundert in einem britischen Lexikon. Dort wurde er mit „gute Gesundheit“ übersetzt. Nach dem II. Weltkrieg definierte die Weltgesundheitsorganisation WHO ihn als „physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden“. Wellness ist also kein Synonym für die Beseitigung von Krankheiten. Vielmehr bedeutet Wellness, das persönliche Wohlbefinden in jeder Hinsicht zu steigern – im Sinne von „well-being“, Fitness und Happiness.

In den USA verstand man darunter zunächst ein neues Gesundheitsmodell zur Eindämmung steigender Kosten im Gesundheitswesen. Die Menschen sollten ihre Gesundheit in Eigeninitiative fördern. Daraus entstand Mitte der 1950er-Jahre ein neuer Trend. Er erhob die Wellness zum Lifestyle – nach dem Prinzip „easy going“ zur guten körperlichen Verfassung. Dieser Trend schwappte schnell nach Europa über.

Heute versteht man unter Wellness vor allem Methoden und Anwendungen, die das Wohlbefinden ganzheitlich steigern: Das Ziel von Wellness ist es, sich als Mensch im Gleichgewicht zu halten. Sprich: Körper und Geist zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen. Dazu gehört: schwimmen und saunieren, whirlen und ein Aufenthalt in Infrarotkabine oder Dampfbad. Auch Massagen aller Art oder Erlebnisduschen gelten als „Wellness“. „Wohlfühlexperten“ überraschen uns seit Jahren mit immer neuen kreativen Ideen, dem Menschen rundum Wohlbefinden zu verschaffen.

„Medical Wellness“ nach bestimmten Kriterien

Nebenbei hat sich die „Medical Wellness“ etabliert. Darunter versteht man Maßnahmen zur Prävention, Gesundheitsförderung und Verbesserung der Lebensqualität. Speziell darauf ausgerichtete Wellnesshotels bieten dies mit medizinischer Betreuung an. Deutsche oder österreichische „Medical Wellnesshotels“ müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllen.

Mindestens ein Arzt sowie adäquat ausgebildete Fachkräfte müssen zur Verfügung stehen. Gäste unterziehen sich einer Erstuntersuchung und absolvieren täglich Fitness- und Bewegungsprogramme. Die Küche bietet vollwertige Speisen und richtet sich auch nach speziellen Ernährungsbedürfnissen. Der Wellness-Bereich beinhaltet mindestens einen Swimmingpool, Sauna oder Dampfbad, Fitness beziehungsweise Gymnastikraum. Viele „Medical Wellnesshotels“ sind sogar auf medizinische Fachgebiete spezialisiert.

Wer überprüft das? Mitarbeiter der Verbände testen anonym Service, Räumlichkeiten und Wellness-Bereich; ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (approbierter Arzt) überprüft die medizinische Abteilung. Die Zertifizierung kostet den Einrichtungen natürlich viel Geld, sie betrachten das jedoch als sinnvolle Investition in Marketing und Werbung.

Statistiken über die Wellness-Industrie

Dass die Menschen ein gesteigertes Bedürfnis nach Wellness oder Medical-Wellness verspüren, zeigt sich in der wachsenden Nachfrage nach Wellness-Angeboten jeder Art. Ein im August 2019 erschienene Studie des Meinungsforschungsinstituts Statista über die deutsche Wellness-Industrie förderte erstaunliche Kennzahlen zutage. So erwirtschaftete der Industriesektor „“Gesundheit und Wellness“ im Jahr 2018 einen Umsatz von 105,3 Milliarden Euro.

Weitere Ergebnisse der Studie: Rund 5,5 Millionen Deutsche gehen regelmäßig in die Sauna und ins Dampfbad beziehungsweise ein Mal pro Monat in ein Wellness-Studio. Knapp 22 Millionen favorisieren einen Wellness-Urlaub als Urlaubsreise. Knapp 7,5 Millionen haben ein besonderes Interesse an Wellness-Angeboten im Urlaub, rund 8% aller geplanten Reisen sind ergo Gesundheits- oder Wellness-Urlaube. Knapp 2.000 Euro geben Deutsche durchschnittlich für Wellness-Urlaube aus und Knapp 75% ärgern sich über Extrakosten für die Nutzung von Wellness-Angeboten an ihren Urlaubszielen.

Wellness und Spa: Aufschwung für die Branche

So unterschiedlich die Menschen sind, so verschieden definiert sich für den Einzelnen der Begriff Wellness. Viele suchen Ruhe und Entspannung in der Sauna, der Infrarotkabine oder dem Dampfbad. Anderen bedeutet Wellness dagegen sportliche Betätigung im Wasser: Aquafitness oder Bahnenziehen im Swimmingpool.

Vor allem Hotels übernahmen in den vergangenen Jahren diesen Begriff Wellness: als beliebtes Werbewort in einer stetig wachsenden Industrie. Im Tourismus entstanden so die Kategorien Wellnesshotel oder Spa Resort. Auch das Wort „Spa“ ist eine Analogie zum Begriff Gesundheit. Ein „Spa Resort“ ist demzufolge ein Gesundheitsresort, kann aber auch als Synonym für eine Wellness-Einrichtung verwendet wderden.

Für Fremdenverkehrseinrichtungen, Hotels, öffentliche Bäder und Kureinrichtungen ist dies ein einträglicher Trend für die Branche: Unter Verwendung des nicht geschützten Begriffs „Wellness“ bieten sie mannigfaltige Angebote an. Trotzdem ist es für Kunden und Gäste nicht immer einfach herauszufinden, ob auch Wellness drin ist, wo Wellness drauf steht.

Wann ist ein Wellnesshotel ein Wellnesshotel?

Doch was macht ein Spa Resort oder Wellnesshotel überhaupt aus? Ist es die schlichte Existenz eines Swimmingpools und einer Sauna-Landschaft? Oder muss ein Hotel mehr als diese beiden grundlegenden Ausstattungsmerkmale bieten, um als Wellnesshotel zu gelten?

Der Hotelverband Deutschland (IHA) e.V. und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) e.V. haben deshalb versucht, mit einer eigenen Definition Licht in diesen Dschungel zu bringen. Sie erarbeiteten Verbandsrichtlinien, gemäß derer ein Wellnesshotel folgende Voraussetzungen erfüllen sollte: naturnahe Lage, umweltbewussten Betrieb, eine Wellness-Vitalküche, immissionsfreie Bereiche, vielfältige Angebote, gute Beratung und Betreuung vor Ort, einen Spa- und Wellness-Bereich.

Schweiz Tourismus, die nationale Marketing- und Verkaufsorganisation für das Reise-, Ferien- und Kongressland Schweiz, beschreibt es für seine Einrichtungen auf seiner Hompage wie folgt: „Die Wellness & Spa Hotels bieten weit mehr als nur Erholung: Aktivprogramme auf sonnigen Pfaden und Terrassen, Beauty- und Well-Aging-Anwendungen mit Schweizer Luxusmarken, Kuren, Entschleunigung mit Mind & Body-Übungen, heilendes Wasser, Pools mit Aussicht, Diäten und beste gesunde Ernährung – hier finden Sie alles, um sich neu zu entdecken.“

Zertifikate für Wellnesshotels und Spa Resorts

Im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz, Österreich, Südtirol) gibt es annähernd 3.000 Einrichtungen, die sich Wellnesshotel, Spa Resort oder so ähnlich nennen. Internet-Suchmaschinen listen Millionen von Treffern auf, gibt man den Begriff „Wellnesshotel“ in die Suchmaske ein. Individuelle Verzeichnisse und Listen wollen für Übersicht sorgen, sind aber meistens nur unvollständig. Darüber hinaus werden Zertifikate, Gütesiegel oder „Sterne“ vergeben, mit denen sich Wellnesshotels und Spa Resorts schmücken und für sich werben. Kurzum: Es ist oft eine langwierige Angelegenheit, das passende Angebot für den verdienten Wellness-Urlaub zu finden.

Wellness:
„Wellness Stars Hotels“. Herausgeber: Wellness Stars Deutschland
„Deutsches Well­ness Zertifikat – Hotel­betriebe“. Herausgeber: Wellness-Verband Deutschland
„Well­ness-Hotels & Resorts“. Herausgeber: Well­ness-Hotels & Resorts
„EuropeSpa – Hotel Spa“. Herausgeber: EuropeSpa med & well­ness

Medical Wellness:
„Medical Wellness Stars – Kliniken“. Herausgeber: Wellness Stars Deutschland
„Deutsches Well­ness Zertifikat – Medical Well­ness Betriebe“. Deutscher Wellness Verband
„Medical Well­ness Quality Stan­dard – Hotel“. Herausgeber: Deutscher Medical Well­ness Verband

Die Vorstellungen von Gästen und Hoteliers

Doch wie sehen die Spa- und Wellness-Bereiche von Hotels und Spa Resorts künftig aus? Welche Technologien, welche Bedürfnisse und welche Angebote werden bald eine Rolle spielen? Eine Fraunhofer-IAO-Studie „Wellness-Erlebnis im Hotel“ aus dem Jahr 2017 suchte Antworten auf diese Fragen. Sie stützt sich auf eine Befragung von Gästen und Hoteliers.

An der Gastbefragung nahmen 514 Personen teil, davon 441 Privatreisende und 24 Geschäftsreisende. Die übrigen 49 Gäste machten keine Angaben. Aus der Hotellerie nahmen 60 Personen an der Umfrage teil, die unter anderem vom Deutschen Heilbäderverband und dem Deutschen Medical Wellness Verband unterstützt wurde.

Darin heißt es: „Weil die Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden immer wichtiger werden, sehnen sich die Menschen nach Inseln der Ruhe und Entspannung“. Weshalb der Bedarf an Spa-Anlagen in Hotels wächst, was sich für diese Branche wiederum als große Chance darstellt.

Doch stimmen die Wünsche der Gäste von Spa-Bereichen im Hotel mit den Vorstellungen der Hoteliers überhaupt noch überein? Entwickeln sich also Angebot und Nachfrage in die gleiche Richtung? Gibt es eine Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Gäste und den Ideen der Hoteliers, die es zu verringern gilt?

Visionen fürs Wellnesshotel der Zukunft

Eine beispielhafte Kennziffer: Für 42,5% der befragten Gäste spielte das Wellness-Angebot eine Rolle für die Buchung eines Hotels. Für 35% war es sogar das entscheidende Kriterium. 13,5% gaben an, dass es zum Teil die Buchung begünstigte. Für 6,2% spielte es kaum eine Rolle und für 2,8% gar keine. Demgegenüber schätzten jedoch 57% der Hotelmitarbeiter die Rolle des Wellness-Angebotes für die Buchung als sehr wichtig ein. „Damit bewerteten die Mitarbeiter das Wellness-Angebot etwas wichtiger, als es für die Gäste tatsächlich ist“, schlussfolgert die Studie.

In der dazu veranstalteten Zukunftswerkstatt „FutureHotel“ schlugen die aus der Wellnesshotel-Branche kommenden Teilnehmer entsprechende Maßnahmen vor und entwickelten Visionen:

  • Gästebefragung: Wie nutzen sie den Wellnessbereich? Wie lange und wann halten sie sich dort auf?
  • Den Gästen einen Profiltracker als technischen Begleiter mitgeben und ihnen daraufhin personalisierte Angebote etwa zu Sauna-Aufgüssen oder „Medical Spa“-Anwendungen übermitteln.
  • Digitalisierung und Technisierung mit künstlicher Intelligenz auch in der Spa- und Wellnesswelt: Zum Beispiel Hologramme an den Wänden in städtischen Wellness-Einrichtungen, die die Illusion realer Natur projizieren.
  • Intelligente Oberflächen auf Wänden und Möbelstücken, die Informationen, Musik oder Beleuchtungsszenarien wiedergeben.
  • Trotzdem wird es weiterhin Räume der Natürlichkeit, der Zeitlosigkeit und des Rückzugs geben – „Digital Detox“, technikfreie Refugien.
  • Neben öffentlich nutzbaren Spa- und Wellness-Räumen wird es auch einzeln buchbare Spa-Suiten geben,. Die Gäste haben so die Möglichkeit, die Angebote jederzeit und sofort nutzen zu können.
  • Und: Das Spa wird aus dem Keller geholt und mit großen Glasfronten mit der Außenwelt in Verbindung gebracht.
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