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Susi

Interbad 2016: Spa im Zentrum des Wohnens

13.09.2016

Sauna und Spa im Wohnumfeld sind der aktuelle Messetrend auf der "interbad 2016". Foto: Tom Philippi

Wohnen im Wandel: Nach der Küche rücken nun Bad, Sauna und Spa immer stärker in den Mittelpunkt des Privatlebens. Trennwände fallen, Übergänge verschwimmen. Manch einer – wie der Berliner Architekt Arno Brandlhuber – wirft das klassische Wohnzimmer gar vollständig über Bord und richtet stattdessen einen multifunktionalen Wohn-Wellness-Bereich ein. Beim Gang über die Stuttgarter "interbad" (27. bis 30. September) wird sich dieser Trend überdeutlich ablesen lassen: Beheizte Natursteinfliesen, kuschelige Sitzgelegenheiten, Hightech-Armaturen, flexible Wohnzimmer-Saunen oder die architektonische Öffnung ins Freie zeugen von einem veränderten „Bad-Bewusstsein“. Diese Entwicklung ist vielen Faktoren geschuldet – die meisten davon liegen außerhalb des Bades.
 
Freizeit und Arbeit

Das Phänomen an sich sei keineswegs neu, meint Professor Dr. Christine Hannemann, Architektur- und Wohnsoziologin an der Universität Stuttgart. „Die Badewanne im Schlafzimmer ist ein altes Wohnkonzept aus den siebziger Jahren. Ein wichtiges Stichwort ist heute der Wegfall von fünfzig Prozent der Arbeitsplätze durch Industrie 4.0 – und dadurch die Aufhebung der klassischen Trennung von Arbeit und Freizeit.“ Der Freizeitbegriff verschwinde zunehmend aus dem allgemeinen Sprachgebrauch, was auch Zeitbudgetanalysen zeigten. Durch den wachsenden Arbeitsdruck sei der Mensch daher immer stärker darauf angewiesen, seine Erholungsphasen selbst zu planen. Die Neudefinition des Wohnbereichs als potenzielle Arbeitssphäre und die ständige Erreichbarkeit im „Home-Office“ machen das Badezimmer zum gesellschaftlich akzeptierten Rückzugsort. Dort richtet man es sich gern behaglich ein – mit anderen Worten: wohnlich.
 
Unser Hygieneverhalten ändert sich laufend. So war das wöchentliche Wannenbad lange Zeit ein festes Reinigungsritual, welches erst in den letzten Jahrzehnten von der täglichen Dusche abgelöst wurde. Ursache ist neben der immer knapperen Zeit auch ein wachsendes Bedürfnis nach Körperhygiene. Inzwischen gibt es Wellnessduschen, Dampfduschen, Regenduschen oder Sparduschen. Christine Hannemann sieht darin einen „Kulturalisierungsprozess der Körperpflege“, vergleichbar mit dem Wandel der Tischsitten. „Irgendwann wurde begonnen, mit Messer und Gabel zu essen. Fischmesser, Vorlegebesteck und so weiter kamen Schritt für Schritt dazu.“
 
Das Bad als Lifestyle-Ort

Auch im Badezimmer kann man sich einen wohnlichen Wellnessbereich einrichten. Foto: Duravit

Die Entwicklung der neuen Hygienekultur wird aber auch von der zunehmenden Technisierung und Digitalisierung des privaten Bereichs vorangetrieben. Hier entfalte sich „eine ganz eigene Dynamik“, sagt Hannemann. „Im Internet der Dinge etwa erfolgt die Steuerung des Hauses per App und Mobiltelefon. Technikaffinität hat gerade hier in Baden-Württemberg eine lange Tradition. Neben der Küche ist das Bad der Teil der Wohnung, der besonders stark technisiert ist.“
 
Ein insgesamt sehr wichtiges Stichwort ist schließlich der Lebensstil, der sich in Wohngestaltung, Kleidung oder Freizeitverhalten äußert. Durch diesen, so Hannemann, definiere man seine Zugehörigkeit „zu bestimmten kulturgeprägten Milieus“ – also zu Gruppen, innerhalb derer Wertorientierungen und zentrale Konsummuster ähnlich sind. Wieder einmal geht es um Selbstdarstellung. Die Neuinszenierung des Bades und des privaten Spabereichs wirkt dabei gleichermaßen nach außen und nach innen, wo sie die Selbstwahrnehmung und damit letztlich auch das Selbstwertgefühl beeinflusst. Man gönnt sich etwas.
 
Wie man sich ein multifunktionales Wohn-Wellness-Umfeld für alle Sinne schaffen kann, zeigt auf der "interbad" auch der Themenpark "creating atmospheres". Im begleitenden Forum richten sich die Vorträge am 30. September an private Bauherren. Es informieren zum Beispiel das Architekturbüro Schienbein + Pier über "Making of - Smart private SPA" oder die Firma Klafs zu "S1- Die Zukunft von Sauna und Infrarot".

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