Wellness-Hotels: K.u.K.-Bäder vor neuem Boom

Nicht ganz unbescheiden titulieren Tourismusmanager Ungarn als "die größte und schönste Badewanne Europas". Über 1300 Thermalbrunnen sind offiziell registriert. Doch Wasser allein genügt nicht. Die geschäftstüchtigen Ungarn wissen auch das entsprechende Umfeld zu schaffen. Bereits zu Zeiten der K.u.K.-Monarchie entstanden Badeorte mit mondänem Flair, die allerdings ein wenig in die Jahre gekommen sind. Vielerorts sind jedoch die Investitionen, um sich für die Ansprüche des 21. Jahrhundert zu rüsten, bereits sichtbar. 12000 Betten in Kurhotels warten auf die Gäste. Hinzukommen gut ausgebildetes medizinisches Personal, Physiotherapeuten und Sportmöglichkeiten aller Art.

Als Hauptstadt eines EU-Beitrittskandidaten rückt Budapest immer stärker in den Blickpunkt der Tourismus- und Gesundheitsbranche. Keine andere Stadt Europas übertrifft die Bädermetropole in Bezug auf die Anzahl heißer, mineralienhaltiger Quellen. Aus 80 Thermalquellen sprudeln täglich 70 Mio. Liter Wasser. 39 Heilbäder, fünf Heilhöhlen sowie 136 Heilwasser- und 48 Mineralwasserquellen zeigen die ganze Bandbreite.

Auf der Margareteninsel inmitten der Donau kann der Gast nicht nur einen Kuraufenthalt mit Heilwasser buchen, auch zahlreiche Arztpraxen warten in der angeschlossenen Klinik auf Patienten. Die Palette erstreckt sich von Kardiologie über Augenheilkunde bis hin zur Schönheitschirurgie.

Doch nicht nur in Budapest richtet sich das Wellness-Business auf westliche Standards ein. An vielen Stellen rund um den Balaton und in den Ebenen des Landes stehen mineralreiche Quellen zur Verfügung. Der Héviz-See ist mit 4,44 ha Europas größter heilkräftiger Warmwassersee. In ihm vereinigt sich das Thermalwasser aus zwei in der Tiefe gelegenen Quellen mit dem kühlen Karstwasser, so dass die Temperatur im Sommer zwischen 33 und 35° C liegt und im Winter nie unter 22° C. Ein ähnliches Naturphänomen ist nur noch am anderen Ende der Welt in Rotorua (Neuseeland) zu beobachten. Fast 700mg/l Mineralien sind in dem Wasser gelöst. Das Wasser des auch für Schwimmer zugänglichen Sees wird in den zahlreichen Kurhotels des Ortes für therapeutische Zwecke genutzt.

Zu den Ländern, die sich dank ihrer neu gewonnenen Freiheit auf ihre Tradition als Bäder- und Urlaubsregion rückbesinnen können, gehört Slowenien. Mit seiner abwechslungsreichen Landschaft bietet es ein großes touristisches Potenzial. Ob Wintersport an den Südhängen der Alpen oder Wassersport am Mittelmeer, Wandern und Mountainbiking in den Hochebenen oder Kuren an den heißen Quellen - hier ist jede Menge geboten. Der Ausbau des Wellness-Angebotes und attraktiver Hotelanlagen wird stark vorangetrieben.

Bereits vor 850 Jahren wurden heilende Quellen urkundlich erwähnt. Der Fund antiker römischer Orte lässt darauf schließen, dass die Heilkraft des Wassers schon lange davor genutzt wurde. Zwischen 32° und 73° C hat das Thermalwasser. Der hohe Anteil an Mineralien ist es jedoch, der die Quellen zu einer besonderen Attraktion macht und Besucher aus ganz Europa anziehen soll. Sowohl Trink- als auch Badekuren werden angeboten. Insgesamt 15 staatlich anerkannte Kurorte zählt das Land, die meisten von ihnen abseits der Ballungszentren.

Eines der ältesten Kurbäder ist Dobrna, wo schon Berühmtheiten wie Karl May und Louis Bonaparte Linderung ihrer Beschwerden suchten. Das Heilwasser des eher beschaulichen Ortes ist alkalisch mit hohem Anteil an Calcium-Magnesium-Hydrogencarbonat. Rehabilitation nach Verletzungen und Operationen, Behandlung von Frauenleiden und Rheuma, aber auch psychoneurotische Störungen werden hier behandelt. Zwei Thermalhallenbäder, Whirlpool, Sauna, Solarium und ein Kinderfreibad bilden den Kern. Da die Bettenkapazität recht begrenzt ist, sind weitere Hotelanbauten geplant. Auch die therapeutischen Anlagen und Schwimmhallen werden derzeit aufgerüstet.

Nicht alle Heilquellen Sloweniens sind altehrwürdig oder auf das noble Publikum ausgerichtet. Manche verdanken ihre Entdeckung einem Zufall. Der Naturpark Therme 3000 in Morasvske Toplice ist ein solches Beispiel. In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde an dieser Stelle nach Erdöl gebohrt. Als jedoch statt des "schwarzen Goldes" nur heißes, nach Öl riechendes Wasser aus dem Bohrloch strömte, zog die Ölfima enttäuscht von dannen und überließ es den Einheimischen, die Qualitäten der Quelle zu entdecken. Bereits 1963 nahm das Heilbad seinen Betrieb auf, inzwischen ist das Unternehmen als Aktiengesellschaft an der Börse notiert.

Auch die Therme Ptuj, am Rande der Alpen gelegen, rüstet sich für den Bade- und Wellness-Tourismus. Bislang beschränken sich die Unterkünfte auf Pensionen und Bungalows sowie Campingplätze der höchsten Kategorie. Ein 50 m Wettkampfbecken sowie mehrere Schwimmbecken mit Thermalwasser gibt es schon seit längerem. Das Thermalwasser soll schon bald nicht nur von sportlichen Naturfreunden genutzt werden. Die therapeutischen Einrichtungen werden ebenso wie die Unterkünfte stetig erweitert. Aus gutem Grund: Neben dem gesundheitsfördernden Wasser lockt diese Gegend auch mit hervorragenden Weinen und einer langen gastronomischen Tradition.