Sauna: Aufguss-Mittel

Saunnabaden ist gesund, und dort dient der Duft in erster Linie dem Wohlfühlen", stellt Erich Schmidt klar, Geschäftsführer der Firma Kurt Kitzing, Vorstandsmitglied des Deutschen Riechstoffverbandes und deutsches Mitglied der TC54 (International Organization for Standardization, Technical Committee for Essential Oils). Auch die positiven Effekte für die Gesundheit entstehen durch das Wohlfühlen, so Schmidt weiter: "Eine Untersuchung aus dem Jahre 1998 hat gezeigt: Wenn ein Mensch einen angenehmen Geruch wahrnimmt, dann vermehren sich seine Antikörper deutlich messbar. Das hilft ihm, sich vor Krankheiten zu schützen."

Wieso dann die Diskussionen über Aufgussmittel? Bei Untersuchungen, wie sie etwa Öko-Test durchgeführt hat, "ist die Betrachtungsweise wahnsinnig stark reduziert auf das Chemische", kritisiert Cedrik Mayer-Klenk, Geschäftsführer der Firma Chemoform, "die zudem in ihrer Interpretation auch noch fraglich ist. Das Resultat ist unbestritten, dass z.B. Delta-3-Caren enthalten ist. Trotzdem bleibt offen, ob die Interpretation wissenschaftlich überhaupt richtig ist und ob die Konzentrationen überhaupt relevant sind." "Die chemischen Inhaltsstoffe werden beim Aufguss total überbewertet", bestätigt Dr. Karsten Gröning, Vorstandsmitglied des Deutschen Saunabundes.

"Was Öko-Test als Schadstoffe bezeichnet, sind oft Inhaltsstoffe, die in geringen Mengen sehr, sehr nützlich sind", erläutert Erich Schmidt. "So löst z.B. Delta-3-Caren bei Hautkontakt in großen Mengen zwar die sog. Malerkrätze aus. Es müsste aber schon jemand pausenlos Aufgüsse machen und das jeden Tag, um eine kritische Konzentration zu erreichen. Aber Delta-3-Caren wirkt auch auf die Lunge: Es löst die obersten Hundertstel-Millimeter der Schleimhautschicht an, auf dem die Ausscheidungen der Viren und Bakterien sitzen. Deshalb gibt es z.B. in Polen eine Behandlung von tuberkulosekranken Kindern, die unter ärztlicher Aufsicht das Mittel inhalieren. Dadurch können sie auf 80% der Antibiotika verzichten. Deshalb ist Delta-3-Caren in Eukalyptus oder Minze in der Sauna enorm wichtig zur gesundheitlichen Vorbeugung."

"Die Inhaltsstoffe, die man durch Sauna-Aufgüsse aufnimmt, stehen in keinem Verhältnis zu dem, was viele durch eine einzige Zigarette einatmen", ergänzt Cedrik Mayer-Klenk. "Schwarzbrot und Äpfel enthalten überhaupt die höchste Menge an Formaldehyd, viel mehr als ätherische Öle", bestätigt Erich Schmidt. "Deshalb brauche ich beim Sauna-Aufguss nicht über Formaldehyd reden. Und was Pestizide und Herbizide betrifft, so gibt es kein natürliches Produkt, das keine hat."

Ein weiterer von Öko-Test kritisierter Inhaltsstoff ist Diethylphtalat. Dazu sagt Erich Schmidt: "Es ist vom höchsten Gremium der EU, dem SCCP (Scientific Committee of Cosmetic Products) festgestellt worden, dass heute Diethylphtalat in der Kosmetik oder auch in anderen Produkten als sicher anzusehen ist. Es gibt also keinen Grund, es nicht zu benutzen. Diethyl-phtalat ist das gängige Vergällungsmittel für Ethanol."

"Bei der Risiko-Abschätzung von Sauna-Aufgüssen muss man sich erst mal auf die Anwendung beziehen", so Dr. Karsten Gröning. "Dabei muss berücksichtigt werden, wie viele der potenziell schädlichen Substanzen eigentlich noch im Aufguss drin sind. Wenn z.B. 5 ml eines Konzentrats mit 10 Liter Wasser verdünnt werden, sind das wahrscheinlich nur noch Nachkommastellen. Es stellt sich die Frage, ob so überhaupt eine schädigende Konzentration erreicht wird. Ich persönlich schätze das Risiko nicht besonders hoch ein."

"Die Konzentration macht das Gift", bestätigt Cedrik Mayer-Klenk. "Dass man einzelne schädliche Inhaltsstoffe ausschließt wie Moschus-Verbindungen, das ist klar. Man versucht, Kriterien zu setzen wie bei Lebensmitteln und Kosmetik, um möglichst viele negative Elemente auszuschließen. Aber was bisher immer komplett ausgeblendet wird, ist die Anwendung. In großen Betrieben ist es inzwischen Mode, Gewalt-Aufgüsse zu machen. Dort gibt es z.B. 60 m3 Raum, und in einer Séance werden 15 bis 20 Liter als Aufguss in den Raum gebracht. Deshalb ist für die Kunden wichtig zu wissen, wie Aufgüsse richtig gemacht werden."

"Von Verbandsseite betreiben wir schon einen erheblichen Aufwand, um die Aufklärungsarbeit zu leisten", bekräftigt Dr. Karsten Gröning. "Da kommt es z.B. darauf an, wie gut das Aufgussmittel mit dem Wasser vermischt ist", erklärt Erich Schmidt. "Wenn das Öl oben auf dem Wasser schwimmt, trifft es als Erstes auf die Steine, die zwischen 350 und 600° C heiß sind. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass Crackprodukte entstehen, relativ groß. Untersuchungen haben gezeigt, wenn das Gemenge sehr gut vermischt ist, dann gelangen die Öle zusammen mit dem Wasser auf die Steine. Die Duftstoffe haben nicht die Zeit, aufgrund der Hitze zu reagieren, sie werden von dem heißen Wasserdampf mit nach oben genommen. Die im Raum befindlichen Moleküle entsprechen der Zusammensetzung dessen, was sich im Aufgussmittel befand. Messungen haben gezeigt, dass sich nichts in der Luft befindet, was gefährlich werden könnte."

"Was die Dosierung betrifft, hat sich auf dem Markt eine Menge getan, seit es das Qualitätszeichen vom Deutschen Saunabund für Aufgussmittel gibt", ergänzt Erich Schmidt. "Auch Unternehmen, die nicht daran teilnehmen, haben nun eine exakte Dosierung auf ihren Aufgussmitteln." "Beim Aufgusslabel ist klar niedergelegt, was sich der Deutsche Saunabund wünscht", so Dr. Karsten Gröning, "nämlich natürliche oder naturidentische Duftmischungen. Das Qualitätszeichen bietet Anwendern eine gute Orientierung."

Schwimmbad & Sauna 5/6-2005