
Artikel aus Schwimmbad & Sauna 07/08 2008.
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Edelstahlprodukte haben sich seit Jahren im Schwimmbad etabliert. Wir haben Wissenswertes über Material und Produktvielfalt zusammengestellt.
Bereits 1912 ließ sich die Firma Krupp einige Stahllegierungen patentieren. Durch verschiedene Versuche hatte man festgestellt, dass Stahl mithilfe von Chrom und Nickelanteilen, bei einer entsprechenden Wärmebehandlung, resistent gegen verschiedene Korrosionseinflüsse wird: die Geburtsstunde des Edelstahls und der Beginn einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte.
Es verwundert daher nicht, dass sich der Werkstoff auch im privaten Schwimmbad etabliert hat. Zwar lässt sich heute vieles aus anderen Materialien herstellen, doch folgende Merkmale machen Edelstahl nach wie vor einzigartig: Festigkeit und Stabilität, keine, oder nur sehr geringe Verschleißerscheinungen bei Beanspruchung, Korrosionsbeständigkeit, umweltschonend durch Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit, gute Reinigungseigenschaften, widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse wie Frost, Regen, etc. und eine edle Oberfläche.
Vergleicht man das private Schwimmbad von vor 40 Jahren mit den Pools von heute, lassen sich gravierende Unterschiede feststellen. Aus dem eher nüchternen Schwimmbad von damals sind heute moderne Wellness-Anlagen geworden. Dies spiegelt sich auch in der Angebotspalette der Edelstahlprodukte wider. Umfasste das Lieferspektrum früher gerade mal Einstiegsleitern, Haltestangen oder Treppenhandläufe aus Edelstahl, können Pools von heute zusätzlich mit Schwallduschen, Schwanenhälsen, Luftsprudelsitzen oder kompletten Fitness-Anlagen unter Wasser aufwarten.
Edelstahl ist nicht gleich Edelstahl
Bei der Kaufentscheidung für ein Edelstahlprodukt sollte man aber dennoch genau auf das eingesetzte Material achten. Auch wenn die verschiedenen Edelstahlwerkstoffe optisch nicht zu unterscheiden sind, gibt es in der Zusammensetzung entscheidende Unterschiede. In den Anfangsjahren der deutschen Schwimmbadindustrie war 1.4301, besser bekannt als V2A, beliebtester Werkstoff für Einbauteile. 1.4301 gehört - wie auch alle folgenden beschriebenen Werkstoffe - zu den austenitischen Stahlsorten. Das heißt, das Material ist nicht magnetisch. Daher kann man auch mit einem Magneten sehr leicht prüfen, ob es sich zumindest um einen Werkstoff der Güte V2A handelt. Man muss allerdings beachten, dass es in "verformten" Bereichen aufgrund der Gefügeveränderung des Edelstahls zu leichten "Reaktionen" des Magneten kommen kann.
Ihre Beständigkeit erhalten alle Edelstahlsorten durch ihre Legierung. Beim 1.4301 besteht diese Legierung aus circa 18 Prozent Chrom und 10 Prozent Nickel. Hinzu kommt als herstellungsbedingte Beimischung noch ein Anteil von höchstens 0,07 Prozent Kohlenstoff. V2A ist in Becken mit normaler und unauffälliger Wasserqualität einsetzbar. Was dieser Werkstoff jedoch überhaupt nicht verträgt, sind Chloridkonzentrationen von mehr als 150-200 mg/l. Da diese Konzentrationen heute vielerorts bereits im Trinkwasser, sprich Schwimmbadfüllwasser erreicht werden, erfreut sich eine andere Edelstahlwerkstoffgruppe in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Dies sind die Werkstoffe 1.4401, 1.4404 und 1.4571 - auch als V4A bekannt.
Diese Edelstahlgruppen sind höher legiert als der V2A und somit auch beständiger. Der Grenzwert liegt hier zwischen 400 und 500 mg/l. Der V4A enthält einen Chromanteil von 16,5 bis 18,5 Prozent, Nickel von 10 bis 13 Prozent, und zusätzlich Molybdän in der Größenordnung von 2,0-2,5 Prozent. Leider ist durch die höhere Legierung auch der Preis für diese Werkstoffe teurer als für die V2A-Edelstahlgruppe. Die Preisdifferenz liegt bei circa 50 Prozent.
Immer beliebter werden im privaten Bereich auch Sole- und Thermalschwimmbäder. Chloridkonzentrationen von weit über 3000 mg/l, gepaart mit Wassertemperaturen von über 30 Grad sind keine Seltenheit und setzen dem Edelstahl stark zu. Eine ständige Reinigung der Oberfläche wäre eine Möglichkeit, die Beständigkeit des Edelstahls zu erhalten, bei Einbauteilen unterhalb des Wasserspiegels ist dies allerdings problematisch. Daher tendiert man in diesem Bereich bereits zu noch höher legierten Werkstoffen wie zum Beispiel zu 1.4539 oder 1.4462.
Ein Vorteil dieser Edelstahlarten ist ihre hervorragende Beständigkeit gegen Chloride. Allerdings sind diese Werkstoffe auf dem Markt nicht in allen Abmessungen und Formen verfügbar. Zudem sind sie aufgrund ihrer Beschaffenheit schwerer zu verarbeiten und vor allem sehr teuer. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass die oben genannten Werkstoffe bei richtiger Auswahl und Verarbeitung als dauerhaft korrosionsbeständig gelten.
Neben Auswahl und Verarbeitung spielt die Ausführung des Edelstahls eine entscheidende Rolle. Sowohl die Oberflächenbeschaffenheit als auch das zur Verbindung angewandte Schweißverfahren oder ein aufgrund der Benutzung auftretender Spannungszustand kann für Korrosionsschäden von Edelstahl verantwortlich sein. Oft hört man von Kunden die Worte "Edelstahl Rostfrei" und im gleichen Atemzug die Bemerkung "Edelstahl kann doch gar nicht rosten". Auf Kundenseite liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei Korrosionsschäden meist um einen Material- oder Verarbeitungsfehler des Herstellers handelt.
Fertigungsfehler lassen sich zwar nicht zu 100 Prozent vermeiden, allerdings sind sie eher selten. Auch wenn der Schwimmbadbesitzer es nicht gerne hört, so sind meist Wasserqualität oder äußere Einflüsse für Verfärbungen bzw. Rostbildung verantwortlich. Edelstahl besteht zum größten Teil aus Eisen und ist eben nicht rostfrei, sondern in einem durch seine Legierung bestimmten Rahmen rostbeständig. Ausschlaggebend für die Beständigkeit ist eine Oxidschicht, die sich mithilfe der enthaltenen Chromanteile an der Oberfläche des Edelstahls bildet. Diese, als Passivschicht bezeichnete Oberfläche, schützt den Stahl dauerhaft vor Korrosion. Wird diese Passivschicht zerstört, verliert der Edelstahl seine Beständigkeit.
Pflege von Edelstahl
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Pflege von Edelstahl, die leider von einigen Schwimmbadbesitzern gerne vernachlässigt wird. Bei unproblematischen Beckenverhältnissen reicht es sicherlich aus, wenn ein Pool-Besitzer sich zweimal pro Jahr um die Einbauteile aus Edelstahl kümmert. Problematischer wird es bei Becken, die hohe Wassertemperaturen haben, der pH-Wert zu niedrig ist oder salzhaltiges Wasser eingesetzt wird. Hier sollte man häufiger reinigen: zumindest einmal im Monat.
Ganz besondere Aufmerksamkeit sollte den Bereichen gelten, die nicht ständig vom Wasser umspült werden. Infolge von Auftrocknung der Wasserinhaltsstoffe kann es hier zur Konzentration von Chlorid-Ionen kommen, die für eine erhöhte Korrosionswahrscheinlichkeit sorgen. In diesen Fällen (Beckenumgang oder Überlaufrinne) ist eine zweimalige Reinigung pro Woche angebracht.
Grundsätzlich sollte sofort gereinigt werden, wenn sich Verfärbungen auf der Edelstahloberfläche bilden. Dafür ist allerdings nicht jeder Reiniger geeignet. Kalkrückstände oder erste Ansätze von Verfärbungen lassen sich bestens mit einem handelsüblichen Edelstahlreiniger, den man auch für die Reinigung der Edelstahlteile im Küchenbereich einsetzt, entfernen. Dafür sollte der Pool-Besitzer immer einen weichen Lappen benutzen. Auf keinen Fall Schwämme mit rauer Oberfläche oder Stahlwolle. Damit bekommt man zwar die Beläge ab, reibt aber Stahlpartikel in die Edelstahloberfläche ein, die spätestens zwei Wochen später ausblühen.
Bei stärkerer Verschmutzung und ersten Rostansätzen gibt es beim Fachhändler leicht säurehaltige, spezielle Edelstahlreiniger. Auch hier sollte man grundsätzlich die Gebrauchsanweisung des Reinigers genau lesen. Nach Gebrauch den gereinigten Bereich immer mit Frischwasser abspülen. Ist das Edelstahlteil allerdings schon so stark verrostet, bleibt nur die Möglichkeit, das Teil auszubauen und an den Hersteller zur "Aufarbeitung" zurückzuschicken.
Autor: Marc Hölter
(G. Eichenwald GmbH & Co. KG)